So ungefähr klingt die Erzählung.
Sie stimmt für viele Menschen. Für andere nicht.
Für manche wird es ab 28 Grad eng. Nicht nur körperlich, nicht nur wegen des Kreislaufs, der absackt, wenn das Blut in die Peripherie wandert. Sondern im Kopf. Die Gedanken werden zäh. Der Antrieb fällt aus, obwohl draußen alles strahlt. Die Reizbarkeit steigt. Der Schlaf wird flach und bringt keine Erholung. Und dann kommt noch etwas dazu, das schwerer wiegt als die Hitze selbst: das Gefühl, falsch zu sein. Alle anderen freuen sich, und man selbst liegt um vier Uhr nachmittags im abgedunkelten Zimmer und wartet, dass es vorbei ist.
Das ist keine Einbildung. Das hat eine physiologische Grundlage.
Was Hitze im Nervensystem auslöst
Das Gehirn ist temperaturempfindlich. Es arbeitet in einem engen Fenster, und wenn die Körperkerntemperatur steigt, verändert sich die Neurochemie. Serotonin, Dopamin, Noradrenalin reagieren auf Temperatur. Die Forschung zeigt, dass bei hohen Außentemperaturen die Suizidrate steigt, die psychiatrischen Notaufnahmen voller werden, die Aggressionsbereitschaft zunimmt.¹ Das liegt nicht daran, dass Menschen im Sommer psychisch labiler wären. Es liegt daran, dass Hitze ein Stressor ist.Für das autonome Nervensystem bedeutet Hitze Arbeit. Der Körper muss kühlen, das Herz pumpt mehr, die Gefäße weiten sich, der Blutdruck fällt. Das kostet Energie. Wer ohnehin schon auf Reserve fährt, weil der Alltag viel verlangt oder weil eine depressive Phase die Batterien entleert hat, für den ist Hitze nicht Erholung. Sie ist eine zusätzliche Last.
Die traditionelle chinesische Medizin hat dafür ein Bild: Hitze zerstreut das Qi. Sie treibt nach oben und außen, sie macht unruhig, sie erschöpft. Wer schon erschöpft ist, wird von dieser Zerstreuung nicht erfrischt. Er wird leer.
Schlaf, der keiner ist
Ein unterschätzter Faktor: die Nachttemperatur. Der Körper braucht zum Einschlafen einen Abfall der Kerntemperatur um etwa ein Grad. In tropischen Nächten, wenn die Wohnung 26 Grad hält, funktioniert das nicht. Der Schlaf bleibt oberflächlich, die Tiefschlafphasen verkürzen sich, die Erholung bleibt aus.Nach drei, vier Nächten mit schlechtem Schlaf verändert sich das Gehirn messbar. Die Amygdala, zuständig für Bedrohungsbewertung, wird aktiver. Der präfrontale Cortex, zuständig für Impulskontrolle und Perspektive, wird träger. Das Ergebnis ist ein Nervensystem im Alarmmodus, das auf Reize überreagiert und Entlastung kaum noch zulässt.
Wer im Winter eine depressive Episode hatte und sich im Frühjahr stabilisiert hat, kann im Hochsommer einen Rückfall erleben. Nicht obwohl die Sonne scheint, sondern auch weil sie scheint.
Die soziale Komponente
Dazu kommt der Druck der guten Laune. Im Sommer soll man raus, soll man feiern, soll man genießen. Wer das nicht kann, fällt auf. Die Scham verstärkt den Rückzug, der Rückzug verstärkt die Isolation, die Isolation verstärkt die depressive Stimmung. Ein Kreislauf, der sich selbst antreibt.In der Dunkelheit des Winters ist Rückzug gesellschaftlich akzeptiert. Im Sommer nicht.
Was das Nervensystem entlastet
Die Antwort ist nicht, die Sonne zu meiden oder sich schuldig zu fühlen, weil der Körper anders reagiert als erwartet. Die Antwort ist, das Nervensystem gezielt zu unterstützen, statt gegen es zu arbeiten.Kühlung ist keine Schwäche. Wer bei Hitze leidet, darf das Zimmer abdunkeln, die Nacht mit nassem Tuch am Fenster verbringen, den Tag in der kühlsten Ecke der Wohnung verarbeiten. Der Körper weiß, was er braucht.
Magnesium wird bei Hitze vermehrt ausgeschieden, über den Schweiß. Ein Magnesiummangel verstärkt Reizbarkeit, Schlafprobleme, Muskelkrämpfe. Wer im Sommer merkt, dass die Nerven blank liegen, sollte an Magnesium denken, bevor er an Charakterschwäche denkt.
Adaptogene wie Ashwagandha können das Stresssystem puffern. Die Wurzel senkt nachweislich den Cortisolspiegel und verbessert die Stressresilienz.² Wer ohnehin schon auf Reserve fährt, bekommt damit etwas Spielraum zurück. Dosierung: abends, nicht morgens, sonst kann die entspannende Wirkung den Tag verschlafen.
Der Vagusnerv lässt sich gezielt aktivieren. Lange Ausatmungen, kaltes Wasser ins Gesicht, langsames Kauen. Kleine Handlungen, die das parasympathische Nervensystem anstoßen und dem Körper signalisieren: Keine Gefahr. Du darfst runterfahren.
Eine andere Erzählung
Der Sommer ist nicht die objektiv beste Jahreszeit. Er ist eine Jahreszeit mit eigenen Herausforderungen, die für manche Menschen härter sind als für andere. Wer bei Hitze leidet, ist nicht undankbar. Er hat ein Nervensystem, das anders reagiert.Das anzuerkennen ist der erste Schritt. Der zweite ist, sich nicht zu zwingen, etwas zu genießen, das sich nicht nach Genuss anfühlt. Der dritte ist, dem Körper zu geben, was er braucht: Kühle, Mineralien, Ruhe, Schlaf.
Wer das Gefühl hat, dass der Sommer mehr nimmt als er gibt, und wer nicht sicher ist, wo anfangen, kann in der Waldkraft-Gesundheitsberatung anrufen. Manchmal reicht ein Gespräch, um zu sortieren, was der Körper gerade wirklich braucht.
Viel Gesundheit auf deinem Weg,
Flynn von Waldkraft 💚
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¹ Burke et al. (2018): Higher temperatures increase suicide rates in the United States and Mexico. Nature Climate Change. ² Chandrasekhar et al. (2012): A prospective, randomized double-blind, placebo-controlled study of safety and efficacy of a high-concentration full-spectrum extract of Ashwagandha root. Indian Journal of Psychological Medicine.
18 Kommentare
Vielen lieben Dank für die e-mail.Sehr interessant für mich zu lesen. Danke ❤️
Grüß dich Jutta,
gerne, freue ich mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Wenn du noch Fragen zum Thema Hitze und Gesundheit hast, schreib mir gerne.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Genau so geht es mir. Der Sommer ist für mich eine absolute Qual. Jedes Jahr bin ich froh wenn er vorüber ist. Wie andere Menschen diese Jahreszeit genießen können habe ich noch nie verstanden.
Ich fühle mit dir 😥 ich sehe die Natur und Tiere leiden. Fürchterlich…..
Grüß dich Nora,
ja, das sehen viele gerade intensiv. Hitze und Trockenheit setzen Körper und Psyche unter Druck, bei uns und bei den Tieren. Da hilft oft, nicht nur zu beobachten, sondern konkret zu handeln: mehr Wasser anbieten, Schattenplätze schaffen, die Ernährung gezielt unterstützen. Das gibt einem das Gefühl, etwas bewegen zu können.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Grüß dich Stefanie,
das ist völlig nachvollziehbar. Manche Menschen haben einfach eine andere Konstitution und vertragen Hitze weniger gut. Das hat oft mit dem individuellen Stoffwechsel, der Flüssigkeitsregulation und auch mit der persönlichen Energieverfassung zu tun. Wenn du möchtest, können wir in einer Beratung schauen, welche Waldkraft-Produkte dir helfen könnten, besser durch die warmen Monate zu kommen.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Ein sehr guter Bericht! Es tut mir einfach gut, ihn zu lesen! Es erzeugt wohltuendes Verständnis für das eigene ICH! Danke!
Grüß dich Rita,
das freut mich, dass dir der Artikel so geholfen hat. Genau das ist die Idee dahinter: zu verstehen, warum unser Körper in der Hitze so reagiert, wie er reagiert. Dann fällt es leichter, selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
danke für die wertvollen infos
Grüß dich Monika,
gerne! Wenn du zu Hitze und Sommerthemen noch Fragen hast, melde dich jederzeit.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Ich fühle mich absolut angesprochen von diesem Bericht. Mir geht es genau so und meine Gedanken dazu waren oft so dass ich dachte irgendwas stimmt nicht mit mir. Ich darf lernen zu akzeptieren, dass ich anders bin als viele andere Menschen. Danke für diesen Bericht.
Grüß dich Sigrid,
es freut mich, dass der Artikel dir so nah geht. Das ist tatsächlich etwas, das ich in Gesprächen immer wieder höre: viele Menschen fühlen sich isoliert mit ihrer Sonnenempfindlichkeit, dabei ist es völlig normal, unterschiedlich auf Hitze und Licht zu reagieren. Dein Körper signalisiert dir einfach, was er braucht. Das zu akzeptieren ist ein wichtiger Schritt, und dann lässt sich auch gezielter gegensteuern.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Mit den einschlafen und durchschlafen ein großes Problem
Hallo,
das höre ich öfter, besonders wenn die Hitze den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinanderbringt. Oft hilft es, abends leichte Mahlzeiten zu wählen und auf ausreichend Magnesium zu achten, das kann die Entspannung unterstützen. Wenn du das vertiefen möchtest und schauen willst, welche Waldkraft-Produkte für dich passen, melde dich gern in der Waldkraft-Gesundheitsberatung.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Mit den einschlafen und durch schlafen ein Problem
Grüß dich Walter,
das höre ich öfter in Beratungen. Wenn die Hitze das Schlafen stört, kann es helfen, die Magnesiumzufuhr zu überprüfen und die Schlafqualität durch eine beruhigte Verdauung zu unterstützen. Auch ausreichend Flüssigkeit und eine gute Elektrolytbalance spielen eine Rolle. Wenn du das vertiefen möchtest, melde dich gern in der Waldkraft-Gesundheitsberatung.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
Die “Hitze” ist ja eigentlich eher meine Betriebstemperatur, aber die hat nach oben hin auch Grenzen. Trotzdem bevorzuge ich sie der Kälte, da geht es mir noch schlechter. Mich würde außerdem interessieren, wie die Menschen in wärmeren/heißeren Ländern auf Hitze reagieren – Sind die quasi angepasst und weniger stressanfällig?
Grüß dich Annette,
das ist eine gute Beobachtung zu dir selbst. Tatsächlich gibt es eine Akklimatisation: Menschen in heißen Klimazonen schwitzen effizienter und früher, ihr Körper hat sich an die Wärmeabgabe angepasst. Trotzdem erleben auch sie Hitzebelastung, wenn es über ihre gewohnte Temperatur hinausgeht, der Körper reagiert auf den Stress, nicht die absolute Temperatur. Manche Menschen fahren mit Hitze besser, andere mit Kälte, und das ist völlig individuell. Wenn du deine Temperaturlast merkst, lohnt sich der Blick auf deine Mineralstoffversorgung und Flüssigkeitszufuhr.
Herzliche Grüße,
Flynn von Waldkraft 💚
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